Wilhelmsgymnasium und Klöster

 

Etwas über viereinhalb Tausend Absolventen (ca. 28 %) des heutigen Wilhelmsgymnasiums München entschlossen sich für ein Leben im Kloster, als letzter begann der Grafenauer Franz Xaver Heigl (abs. 1801) das dann nicht mehr abgeschlossene Noviziat im Benediktinerkloster Niederaltaich.

 

Wie sehr die Säkularisation die „Berufswahl“ der Absolventen beeinflusste, lässt sich an einer einzigen Zahl erkennen: Nach der der Wiederzulassung der Ordensgemeinschaften und Klöster entschlossen sich im restlichen 19. und im 20. Jahrhundert (bis 1943) nur 70 für einen Eintritt.   

 

Grundlage dieser kleinen Untersuchung bildeten ursprünglich die in ihrer Art und ihrem Umfang wohl einzigartigen Leitschuh-Matrikel(1), die aber zahlreiche Fehler, Auslassungen und Fehldeutungen beinhalten, die dann leider von Andreas Kraus(2) , dessen Untersuchungen mit dem Abschlussjahrgang 1776 enden, weitestgehend übernommen wurden. So finden sich beispielsweise bei Leitschuh und Kraus für das Prämonstratenserstift Neustift b. Freising 27 Absolventen des Wilhelmsgymnasiums; überprüft man diese Zahl mit der auch bei Kraus angegebenen Literatur(3), erhöht sich diese Zahl auf 36, wobei sich diese Diskrepanz durch eine Reihe von Fehlzuordnungen bei Leitschuh, darunter Abt Mattias Widmann (1717-1721), noch erhöht. Auch wurden von Leitschuh einige, meist entferntere Klöster nicht oder nur oberflächlich untersucht; so fehlt u.a. das Zisterzienserkloster Salem, in das im 17. und 18. Jahrhundert insgesamt 10 Absolventen eintraten.  

 

Auch die im folgenden angeführten Zahlen dürfen keinesfalls als „endgültig richtig“ angesehen werden. Es fehlen für viele Klöster und sogar auch Ordensgemeinschaften (u.a. OFMCap und OESA) Detailuntersuchungen wie Profeßbücher u. ä., so dass diese Daten nur als Anhaltspunkte angesehen werden können.

 

 

Ordensmitglieder bis zu Säkularisation  4.573

 

Augustiner-Chorherren (CRSA)

927

Benediktiner (OBen)

852

Jesuiten (SJ)(4)

696

Kapuziner (OFMCap)

575

Franziskaner (OFM)

569

Augustiner-Eremiten (OESA)

264

Zisterzienser (OCist)

203

Prämonstratenser (OPraem)

186

Paulaner (OM)

112

Karmeliten (OCarm)

  68

Birgittiner (OSSalv)

  63

Hieronymitaner (OSH)

  19

Theatiner (CR)

18

Augustiner-Barfüßer (OAR)

11

Kreuzherren (OSC)

4

Dominikaner (OP)

3

Barmherzige Brüder (OH)

2

Deutscher Orden (OT)

1

Kartäuser (OCart)

1

 

 

Augustiner-Chorherren

 

Au a. Inn

42

Baumburg

33

Berchtesgaden

3

Bernried

52

Beuerberg

56

Beyharting

81

Dießen

56

Dietramszell

51

Gars

43

Herrenchiemsee

53

Höglwörth

4

Indersdorf

72

Polling

77

Ranshofen

12

Rebdorf

1

Reichersberg

14

Rohr

12

Rottenbuch(5)

92

Schlehdorf

35

St. Andreas (Österreich)

1

St. Mang (Rgbg.)

2

St. Nikola

6

St. Zeno

12

Suben /Österr.

12

Wettenhausen

2

Weyarn(6)

101

unbekannt

1

 

 

Benediktiner

 

Andechs

53

Asbach

18

Attel

43

Augsburg

5

Benediktbeuren

81

Donauwörth

4

Ettal

50

Frauenzell

2

Fultenbach

1

Füssen

5

Göttweig

2

Irsee

11

Kremsmünster /Österr.

2

Lambach /Österr.

3

Mallersdorf

19

Metten

16

Michaelbeuren /Österr.

3

Michelfeld

5

Mondsee /Österr.

1

Niederaltaich(7)

61

Oberaltaich

21

Ochsenhausen

1

Ottobeuren

7

Petershausen

1

Regensburg-St. Emmeram

7

Regensburg-Ptüfeing

4

Rott a. Inn(8)

70

Salzburg

4

Scheyern

33

Seeon

32

Seitenstetten /Österr.

1

St. Blasien

1

St. Veit (Neumarkt)

21

Tegernsee

109

Thierhaupten

14

Vornbach

11

Weihenstephan

52

Weingarten

3

Weißenohe

1

Weltenburg

17

Wessobrunn

57

 

 

Zisterzienser

 

Aldersbach

15

Fürstenfeld

103

Fürstenzell

7

Gotteszell

4

Kaisheim

4

Neuburg /Österr.

1

Raitenhaslach

54

Salem

10

Schöntal

2

Walderbach

1

Waldsassen

2

 

 

Prämonstratenser

 

Neustift b. Freising

36

Osterhofen

5

Roggenburg

1

Roth (Rot a.d. Rot)

1

Schäftlarn

78

Schussenried

1

Speinshart

3

St. Salvator (Griesbach)

4

Steingaden(9)

42

Ursberg

1

Wilten /Österr.

1

Windberg

13

 

 

 

(1) Leitschuh, M.: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München, 4 Bde., München 1970‑1976

(2) Kraus, A.: Das Gymnasium der Jesuiten zu München (1559-1773). München 2001

(3) v.a.: Backmund, N.: Profeßbücher oberbayerischer Prämonstratenserklöster. 1.Teil: Neustift; in: BAKG 33, 1981

(4) nur Eintritte, spätere Austritte wurden nicht berücksichtigt

(5) dabei 2 Absolventen, die später in den Franziskanerorden wechselten (Wilhelm Fraislich, abs. 1608 und Georg Buck, abs. 1640)

(6) Es fehlen hier 2 Absolventen, die zunächst in den Jesuitenorden eintraten, und dann in dieses Stift wechselten (Alexander Säterl, abs. 1636 und Christoph Schmaz, abs. 1628)

(7) ohne den 1635 aus dem Jesuitenorden ausgetretenen Tobias Gmainer, abs. 1619

(8) ohne Ambros (P. Colomban) Tauchmann, der 1775 Augustiner-Chorherr (D. Ferdinand) wurde

(9) ohne Kajetan Stadler, abs. 1786, der 1787 in Steingaden eingekleidet wurde, das Kloster aber nach weinigen Monaten wieder verließ